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Reisen
in die nördlichen Gärten
"War
deine Großmutter englisch?" Die feuchten,
nassen Wege führten in die dichten Gehölze.
Die Fußspuren füllten sich mit Wasser, Tümpel,
die zurück
gelassen wurden. Je weiter sie kamen, desto weniger
rasselte das Tambourin. An den Wegrändern war die Luft
weiß und blau gefleckt. "Ich wurde," erzählte
einer, "im
Slum geboren." Nun kamen die zusammengerollten
Steine. Einer malte sich mit Schweineblut das
Gesicht an. Moos und Feuchte krochen über die Steine,
zarteres Gelb. Sie nahmen die Spuren von neuem auf.
In einem ausgebrannten Omnibuswrack fanden sie
das Schwarz dazu, die winzigen Stücke eines Spiegels,
die Gärten zu spiegeln. "Vergiß nicht deine
Erinnerungen,"
lautete eine Vorschrift. Ein Sommer brach über den
Pfosten
zusammen. Dort hängten sie die nassen Tierfelle und
die
Zähne auf. Der Sommer brannte in dem kriechenden
harten Gestrüpp, das über die Ebene kroch, weiter.
Schnee fiel darauf, sie vermummten ihre Gesichter, die
nördlichen Gärten waren weit. In den Wurzeln zählten
sie
die Sommer nach, rechneten. Aus der Ebene kam einer
zurück und brannte. Er schrie, "dort sind Steine,
die mit leuchtenden Farben still liegen." Als sie
gingen, schichteten sie zum Zeichen der Freude graue
Steine auf. Das Licht war kürzer geworden. Manchmal
sprachen sie mit einem Tier. Sie machten mit der Zunge
einige Zeichen in die Luft. Eine Betonbrücke war perfekt.
Sie gingen leicht darüber. Sie nahmen das Bild mit,
für später.
Einige träumten, während sie gingen, noch immer
von den Gärten,
die keine Zäune hatten. Die Gärten sahen ihre
Gedanken, sie
konnten sie lesen, das wußten sie. Dann sahen sie
sie weiß
vor sich liegen, ausgebreitet. Sie wanderten darüber.
Ihre eigenen Namen kannten sie nicht mehr. Sie
breiteten die Arme aus und begannen zu fliegen,
wie Hände, die gefiedert waren, auf ihrer Reise
in die nördlichen Gärten.
Rolf-Dieter Brinkmann, aus
"Westwärts 1&2", 1975
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